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Dialektische Erörterung zum Umbau unserer Landeskirche
Eigentlich erzähle ich gerne Geschichten. Denn reflektierte Lebensgeschichte ist ein großes Kapital für die Seelsorge und reflektierte Kirchengeschichte ein wichtiger Wegweiser für kirchenpolitische Entscheidungen. - Die Geschichte des Priorisierungsprozesses, wie sie uns im „Kommunikationspaket für Synodale“ vorgeschrieben wurde (zugegangen per Mail am 11.06.2025 über das Dekanat Donnersberg), mag ich aber nicht erzählen, weil ich es anders erlebt habe! (Spontaner Kommentar auf dem Weg zum Pfarrkonvent: „Wo kann man sich dafür zur Gehirnwäsche anmelden?“)
Andererseits mag ich dazu nicht schweigen angesichts der Ratlosigkeit, des Fatalismus, der Verzweiflung und des Zorns, den die Veröffentlichung der Pläne zum Umbau unserer Landeskirche bei vielen meiner Gesprächspartner ausgelöst hat. Daher folgende Dialektische Erörterung:
These: „Ohne eine gehörige Portion Sarkasmus ist das nicht auszuhalten! Ironie reicht da nicht mehr!“
So der Originalton eines Presbyters aus der Nachbargemeinde. Sarkastisch wird man, wenn man sich fühlen muss wie einer von den beiden Alten auf dem Balkon bei der Muppets-Show: Man kann sagen, was man will - die Puppen auf dem Parkett machen weiter ihr dummes Zeug!
Beispiel 1: Verwaltungsamt
Das offizielle Narrativ lautet, eine Fusion der Kirchengemeinden sei u.a. wegen der Überlastung der Verwaltungsämter mit zu vielen Haushaltsplänen und Jahresrechnungen nötig. - Fakt ist, dass unsere Kirchengemeinden Biedesheim und Zellertal das Verwaltungsamt jahrzehntelang überhaupt nicht belastet haben, weil wir eigene Kirchenrechner hatten und erst zwangsweise an das VA angeschlossen wurden. Unser Einspruch vor dem Kirchlichen Verwaltungsgericht wurde abgewiesen.
Übrigens bestehen Zweifel, ob es tatsächlich so viel weniger aufwändig sein wird, nur vier statt ca. 325 Haushalte bzw. Jahresrechnungen zu erstellen, da den über ca. 325 Kirchengemeinden ja zugesagt wird, dass ihre Gelder darin in separaten Konten geführt werden.
Beispiel 2: Instandhaltungsrücklage
Die Einführung der Instandhaltungsrücklage wurde von unserer Bezirkssynode im Prinzip begrüßt. Jedoch haben wir von Anfang an bemängelt, dass sie für den ländlichen Bereich zu hoch angesetzt war. Statt jedoch den Ansatz zu reduzieren, hat man ihn stetig erhöht, bis im Fall unserer Kirchengemeinde die Summe der zu erbringenden IR die möglichen Einnahmen überstieg. (Inzwischen wurde der Verdacht, dass der eigentliche Zweck der Maßnahme war, uns zur Aufgabe von Gebäuden zu zwingen, von einer namentlich nicht genannten Quelle im Landeskirchenrat bestätigt.)
Hier wurde der menschliche Faktor komplett vernachlässigt: In den 20 Jahren, bevor die IR unseren Haushalt belastete, haben wir zahlreiche, teilweise große Baumaßnahmen durchführen können, weil Menschen - und nicht nur Gemeindeglieder - für die Kirche oder das Gemeindehaus in ihrem Dorf gespendet haben bzw. sich mit Eigenleistungen eingebracht haben. Die Erfahrung zeigt: Für konkrete Bauprojekte in der eigenen Gemeinde wird geopfert! - Wenn ich dagegen zugeben müsste, dass kein Geld mehr da ist, um das Papier für den Gemeindebrief zu kaufen, dann würde es zu Recht heißen: „Dann hast du nicht richtig gewirtschaftet!“ (Übrigens wird von einem Spendenrückgang berichtet, seit ruchbar wurde, dass die Hälfte aller evtl. bis zur Fusion verbleibenden Rücklagen an das neue Dekanat fallen soll.)
Was macht man also, wenn man den Haushalt wegen der Höhe der IR nicht mehr ausgleichen kann? Entweder Gebäude abschaffen - was intendiert war, aber zu folgendem, exemplarisch zitierten Kommentar führt: „Isch geh do zwar ned hin, - wanner awwer die Kersch verkaafen, wu isch gedaaft un konfirmiert wor bin und wu isch geheirad hab, dann tret isch aus!“ Das Verhältnis von Gemeindegliedern zur Anzahl von Gebäuden würde sich also evtl. gar nicht verbessern durch solche Verkäufe!
Alternativ könnte man durch das Instrument „Zuwachs an nicht erbrachter IR“ auf der hohen Kante geparkte Baumittel wieder in den Verwaltungshaushalt holen und munter weiterwirtschaften. Dies führte im Fall einer Nachbargemeinde dazu, dass alles Geld verbraucht und echte Schulden angehäuft wurden. Als Folge findet sich derzeit niemand mehr, die oder der die Geschäftsführung über nehmen möchte. - Gehört so eine Kirchengemeinde nicht aufgelöst und fusioniert? Da wir dem Wink mit dem Zaunpfahl, Gebäude zu reduzieren, nicht nachgekommen sind, wird jetzt enteignet! (Dabei scheint mir juristisch noch keinesfalls geklärt, wie die Auflösung der bisherigen Kirchengemeinden als Körperschaft des öffentlichen Rechts gegen deren Willen geschehen soll: Gilt das Gebot „Du sollst nicht töten!“ nicht auch für juristische Personen?)
Beispiel 3: Pfarrermangel
Das offizielle Narrativ lautet, Zusammenlegungen von Kirchengemeinden seien auch wegen des akuten Mangels an Pfarrpersonen nötig. Dieser Mangel besteht freilich - und war seit langem absehbar: Vor ca. 30 Jahren war ich noch als Student und Mitglied der „Kammer für Ausbildung“ beim damaligen Personalreferenten unserer Landeskirche, um zu betteln, man solle doch bitte nicht mehr von einem „Bruderberg“ sprechen und damit aufhören, so viele Vikarinnen und Vikare nach dem 2. Examen nicht in den Dienst zu übernehmen, weil man sie damals aktuell nicht brauchte. Wir regten an, stattdessen einen Blick in den Pfarrerkalender zu werfen, weil dort anhand der Geburtsjahrgänge ersichtlich war, dass wir in den 20-er Jahren des 21. Jahrhunderts - also jetzt - einen gravierenden Pfarrermangel bekommen würden, wenn die Baby-Boomer in Ruhestand gehen.
Diese Aktion war für die Katz‘: Mir selbst wurde - wegen des Bruderberges - nach dem 2. Examen noch eine 2/3 - Stelle zur Dienstleistung angeboten. Wenig später war es nur noch eine halbe Stelle auf 10 Jahre! Kein Wunder, dass sich damals viele Theologiestudierende umorientiert haben (Fach gewechselt oder auf Lehramt umgeschwenkt) bzw. viele eigentlich Interessierte erst gar nicht mehr mit dem Theologiestudium angefangen haben!
Nachdem nun plötzlich und unerwartet ein Pfarrermangel eingetreten ist, müssen wir also reagieren, indem wir alle Kirchengemeinden auflösen und zu viel größeren Einheiten zusammenfassen!
Nun, die sarkastische Reaktion des Seniors vom Balkon in der Muppets-Show lautet: „Wenn es wirklich unser erklärtes Ziel ist, unsere Kirche bis 2050 um die Hälfte abzuschmelzen, dann sind das genau die richtigen Maßnahmen!“ - Nur wird es wesentlich schneller gehen als bis 2050; denn uns laufen die Leute fort! Die Gemeindeglieder laufen uns fort, weil sie sagen: „Wann isch en Parre brauch, is kääner do!“ (Der Bestatter aus Kirchheimbolanden fragte mich, ob er dann in Kaiserslautern im Dekanat anrufen müsse, um zu erfahren, wer die Beerdigung machen könnte.)
Die Mitglieder des Presbyteriums laufen uns fort bzw. lassen sich nicht mehr aufstellen, weil sie seit Jahren immer mehr Reglementierungen erfahren bzw. nur noch Entscheidungen von oben abnicken sollen. Und über das ehemalige Eigentum und den Kurs der Kirchengemeinde werden in Zukunft so wieso andere bestimmen! Schließlich laufen uns die Pfarrer fort, weil wir bei vier Pfarrpersonen auf 15.000 Gemeindeglieder nicht mehr Pastor, also Hirte einer bestimmten Herde sein können, und wohl auch nicht mehr aus den schwarzen Klamotten herauskommen werden. Viele in meinem Alter rechnen sich schon aus, wann sie mit wie vielen Abzügen noch vor der großen Fusion in Ruhestand gehen könnten, - und ver schärfen so den akuten Pfarrermangel.
Antithese: „Des misse mer jetzt erschd mol analytisiere!“
So sagte immer unser Meister in der Lehrwerkstatt bei der Firma Albert in Frankenthal, wo ich meine Ausbildung zum Maschinenschlosser gemacht habe, - und der Mann hat Recht: Sarkasmus alleine hilft nicht weiter! Analysieren wir doch die Misere unserer Kirche, die zum Priorisierungsprozess geführt hat: Wenn es unserer Weltanschauungsgemeinschaft so schlecht geht, dann stimmt entweder an der Weltanschauung oder an der Gemeinschaft etwas nicht - oder an beidem:
1. Gemeinschaft
Jesus Christus hat uns nicht zum Glauben gerufen, damit wir als Christen für uns alleine bleiben, sondern er hat uns in eine Gemeinde berufen. Gemeinsam sollen wir ein Brief Christi für die Welt sein (2. Kor. 3,3) und Gottes Liebe weitergeben (Joh. 13,34). Die allgemeine, unsichtbare Gemeinschaft der Gläubigen wird am deutlichsten in der Gemeindearbeit einer konkreten, sichtbaren Kirchengemeinde erfahren, und im Umgang mit den anderen Christen vor Ort können wir am besten Salz und Licht für die Welt sein (Mt. 5,13).
Dies sehe ich in Gefahr, wenn die Einheiten zu groß werden und die Pfarrpersonen nicht mehr lokal, sondern im Team zugeordnet sind! (Wie soll es z.B. in einem Presbyterium von zig Personen, die nicht mehr - wie bisher - in räumlicher Nähe wohnen und sich nur gelegentlich treffen, zu einem Gemeinschaftserlebnis kommen? Präzedenzfall sind die Bezirkssynoden, wo man schon froh ist, wenn man mit der Zeit die Namen und Wohnorte der Mitglieder kennt. Wie soll es noch zu echten Aussprachen mit Konsens kommen? Stattdessen wird die Lobbyarbeit florieren mit der Suche nach Mehrheiten bereits vor der Sitzung! Eine echte Meinungsbildung im Presbyterium wird mit den geplanten Änderungen ähnlich schwierig werden wie bisher in den Bezirkssynoden. (Dort bin ich schon oft genug nicht zu Wort gekommen oder abgewürgt worden, wenn ich etwas ausführen wollte, was nicht ganz im Sinne der Beschlussvorlage war.)
Ein weiterer Präzedenzfall für die Folgen von Zentralisierung kirchlicher Arbeit ist die Jugendarbeit, die weitgehend nicht mehr in den Gemeinden, sondern in Jugendzentralen stattfindet: Als vor ca. 20 Jahren die Jugendzentrale in Kirchheimbolanden neu besetzt wurde, bat ich als Dekanatsjugendpfarrer die neue Jugendreferentin, wenigstens in einer Kirchengemeinde eine Jugendgruppe aufzubauen, damit man es sich dort abschauen könnte. - Vom Landesjugendpfarramt jedoch kam die Order: „Es ist nicht Ihre Aufgabe, in den Kirchengemeinden Jugendarbeit zu treiben!“ Also unterblieb es. Dabei wäre der Bedarf da: Nach der Corona-Zeit starteten wir z.B. in Biedesheim (mit mir altem Sack) eine neue Jugendgruppe mit frisch Konfirmierten (und bei der letzten Konfirmandenfreizeit wurde ich ebenfalls gefragt, ob man so etwas nicht auch zuhause machen könne). Leider konnte ich das aus gesundheitlichen Gründen nicht durchziehen, und die Jugendzentrale (samt GPD) sah sich nicht in der Lage, uns personell auch nur hin und wieder zu unterstützen …
Ja, sie machen eine wertvolle Arbeit mit ihren Freizeiten und sie kommen in die Gemeinden mit dem „Evangelischen Kinderkino“. Ja, sie haben auch aus unseren Kirchengemeinden schon Jugendliche für die Jugendleiter-Ausbildung gewinnen können. - Nur trägt dies leider für die Kirchengemeinde nichts aus, weil diese potentiellen Mitarbeiterinnen nie Gemeinschaft unter ihresgleichen in der Kirche erlebt haben, oder, wie eine Jugendgruppe auf dem Dorf funktionieren könnte! Anders ein junger Mann, der vor Jahren bei mir in der Jugendgruppe war und zeitweise mit mir den Kindergottesdienst gestaltet hat: Anlässlich einer Beerdigung war er mal wieder in der alten Heimat und teilte mir mit: „Ich wollte Ihnen nur sagen: Ich bin noch dabei! Gerade haben wir, wo ich jetzt wohne, einen CVJM Ortsverein gegründet.“
Wir verlieren die Hälfte der Kinder zwischen Kindergottesdienst und Präparandenunterricht, weil es keine Jungschararbeit gibt, und die andere Hälfte nach der Konfirmation, weil es keine Jugendgruppe gibt. Wegen der Zentralisierung der Jugendarbeit fehlen uns i.d.R. das Mittelalter und die Jugend; denn in den meisten Kirchengemeinden gibt es schon lange keinen Raum und keine Gruppe mehr, wo junge Leute Gemeinschaft erleben können. Junge Familien, die Wert hierauf legen, fahren mit ihren Kindern stattdessen in die Freie Evangelische Gemeinde nach Kirchheimbolanden, weil es dort solche Angebote gibt. Wenn wir nun andere Bereiche kirchlicher Arbeit (wie Seniorenarbeit) ebenso zentralisieren, wird es damit ebenso den Bach hinuntergehen!
2. Weltanschauung
„Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.“ Psalm 127,1 Viel schlimmer als das Übersehen des menschlichen Faktors ist es, wenn die Kirche nicht mehr mit dem lebendigen Gott rechnet! Genau das wurde uns aber an der Universität beigebracht: Wir sollten die Bibel so auslegen, als ob es Gott nicht gäbe! Alles andere sei nicht wissenschaftlich!
Gott wäre demnach kein lebendiges Wesen, sondern eine Leistung des menschlichen Bewusstseins. Jesus wäre demnach zwar ein großartiger Lehrer, ein guter Mensch und ein nachahmenswertes Vorbild - nicht aber Gottes Sohn und Retter und schon gar nicht der auferstandene, lebendige Herr!
Diese Weltanschauung hat in den letzten dreißig Jahren in unserer Landeskirche immer mehr Einfluss gewonnen und in genau dem Maß hat unsere Kirche in der Gesellschaft an Bedeutung verloren! Wenn wir nämlich als Kirche unser Alleinstellungsmerkmal ablegen, sind wir eben nichts Besonderes mehr:
Wenn die Bibel nicht mehr Gottes Wort wäre - warum sich dann danach richten? Wenn Jesus Christus nicht das Lamm Gottes wäre, das die Sünde der Welt trägt (Joh. 1,29) und am Kreuz entsorgt (Kol. 2,14), dann wäre Seelsorge lediglich angewandte Psychologie. Die Theologie reduzierte sich auf die Ethik. Die Kirche wäre nur noch dazu da, den Leuten zu sagen, was sie tun sollen - und genau das wollen sie nicht mehr hören, sondern sie wollen tun, wozu sie Bock haben!
Wenn Jesus nicht die Welt überwunden hätte (Joh. 16,33), wenn wir nicht auf sein Wiederkommen und auf eine neue Schöpfung hoffen dürften (Offb. 21,1-5), dann müssten wir Menschen selber die Welt retten! Wenn uns nicht Kraft aus der Höhe zuströmen könnte (Jes. 40,31), dann müsste diese Aufgabe alle verzweifeln lassen und zermürben - auch die „Trendsetter-Weltretter“. Ich persönlich habe den Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung schon mit der Muttermilch mitbekommen. - Wenn dies aber alles wäre, worum es in der Kirche geht, dann könnte ich dasselbe bei den Grünen oder bei der ÖDP oder im NABU billiger und ohne weltanschaulichen Ballast haben.
Deshalb sehe ich die Misere unserer Kirche so: Wir, als ecclesia repräsentativa, haben die Menschen viel zu lang mit einem kastrierten ethisch-politischen Evangelium ohne geistliche Kraft abgespeist! Kein Wunder, wenn uns die Leute weglaufen! (Und sei es in die Freien Gemeinden, wo ein lebendiger Gott gepredigt wird.)
Apropos Analyse: Betrachten Sie die landeskirchlichen Verlautbarungen zur Umgestaltung unserer Kirche einmal durch folgenden Filter!
1. Wo wird auf Bibelstellen Bezug genommen? Die Bibel sollte nach §3 der Vereinigungsurkunde unserer Landeskirche der alleinige Glaubensgrund und einzige Lehrnorm sein. Hat sie uns in Bezug auf die äußere Form unserer Kirche nichts zu sagen?
2. Wo ist von Gott oder von unserem Herrn Jesus Christus die Rede? Er sollte nach §1 (1) der Verfassung unserer Landeskirche der „Herr und das alleinige Haupt seiner Gemeinde“ sein. Hat er nicht ein Wörtchen mitzureden, wenn sein Leib umgekrempelt werden soll? M.E. wird v.a. betriebswirtschaftlich und nebenbei soziologisch argumentiert, aber nirgends theologisch in dem Sinn, dass nach Gottes Willen gefragt oder mit seinem Eingreifen gerechnet würde. Das ist fahrlässig; denn in Jesaja 7,9 heißt es: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht!“
Eigentlich müsste uns der Niedergang unserer Landeskirche zeigen, dass wir auf dem Holzweg sind! Wir aber zeigen uns verstockt wie die religiöse Elite zur Zeit des Propheten Jeremia. Was Gott dazu zu sagen hat, steht in Jer. 8, 4f: „So spricht der Herr: Wo ist jemand, der hinfällt, der nicht gern wieder aufstände? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme? Warum will denn dies Volk … irregehen für und für? Sie halten so fest am falschen Gottesdienst, dass sie nicht umkehren wollen!“
Statt umzukehren zerstören wir lieber gewachsene Einheiten, in denen Kirche lange Zeit hindurch funktioniert hat, und experimentieren mit neuen, unerprobten Strukturen. Das erspart uns nämlich vorläufig einzugestehen, dass wir Fehler gemacht hätten! (Dabei hat Zentralisieren und Zusammenlegen bisher nichts verbessert. Wie sollte es das in Zukunft tun?) Noch wichtiger erspart uns die Strukturveränderung vorläufig, Buße zu tun im Sinne von Jes. 59, 12f: „Wir sind zu oft von Dir abgefallen, und unsere Sünden zeugen gegen uns. Unsere Abtrünnigkeit steht uns vor Augen und wir kennen unsere Sünden: abtrünnig sein und den Herrn verleugnen.“
Synthese: Unsere Kirche braucht keine neuen Strukturen, sondern eine neue Haltung!
1. Wir werden Kirchengemeinden zusammenlegen müssen - zu große Einheiten wirken jedoch kontraproduktiv! Vor allem dürfen solche Entscheidungen den Gemeindegliedern nicht übergestülpt werden, wenn eine Austrittswelle vermieden werden soll! Wenn wir die inhaltliche Identifizierung der Menschen mit ihrer Kirche nicht verspielen wollen, sollte für einen solch einschneidenden Umbau unserer Landeskirche eine Urabstimmung angesetzt werden - wie im Jahre 1818 bei ihrer Entstehung.
2. Wir müssen Hierarchie nicht auf- sondern abbauen, den Menschen vor Ort Kompetenzen nicht rauben, sondern zurückgeben und sie unterstützen, ihre Gaben zu entdecken und zu entwickeln! Noch haben wir engagierte und fähige Ehrenamtliche. Von ihnen jedoch zu erwarten, eine vielfältige Gemeindearbeit ohne die Mitwirkung, Koordination und persönliche Zuwendung durch ihnen zugeordnete Hauptamtliche aufrecht zu erhalten, wäre eine Zumutung!
3. Darum sollten wir die schwindenden Mittel unserer Kirche nicht gleichmäßig auf die Fläche verteilen. Sonst reicht es überall nur noch für eine mäßige bis saumäßige Versorgung, und christliche Gemeinschaft wäre bald kaum mehr zu erleben! Die Hauptamtlichen sollten vielmehr in denjenigen Gemeinden verortet werden, wo Gruppen und Kreise bestehen, wo das Wort Gottes studiert und christliche Gemeinschaft erlebbar wird (mit besonderer Berücksichtigung von Angeboten für Kinder und Jugendliche). Dabei sollten sie die Ausbildung und Pflege der Mitarbeiterschaft als eine Hauptaufgabe ansehen und sich nicht wegen zu vieler Amtshandlungen davon abhalten lassen! Dann wird das Modell ausstrahlen und Interessierte aus anderen Kirchengemeinden können dort als Gäste teilneh men bzw. sich Anregungen für ihre Heimatgemeinde holen.
Die Kirchengeschichte lehrt uns, wie das Christentum sich auf eben diese Art von einigen wenigen aktiven Zentren aus in die ganze Welt ausgebreitet hat, und die Missionswissenschaft lehrt uns, dass die christliche Kirche auch heute noch wächst, wo in der Verkündigung mit einem lebendigen Gott gerechnet wird und wo die Bibel als Wort Gottes Glaubensgrund und Lehrnorm ist. Dahin müssen wir zurückkehren, wenn wir unsere Kirche nicht abwickeln wollen wie einen VEB!
Wir müssen Jesus Christus als den gekreuzigten und auferstandenen Erlöser der Welt predigen, der wiederkommen wird zu richten die Lebenden und die Toten. Nur so können wir nämlich befriedigende Antwort auf die drei Grundfragen der Menschheit geben:
- Wo komme ich her?
- Wo gehe ich hin, wenn mein biologisches Leben einmal endet?
- Wie kann ich mit Versagen und persönlicher Schuld umgehen?
Wenn wir diese Antwort schuldig bleiben, kann unsere Kirche strukturiert sein, wie sie will - sie wird weiter schrumpfen! Die Leute werden nicht in unserer Kirche bleiben, wenn wir sie mit unseren Geschichten dazu überreden, sondern wenn sie sehen, dass es in der christlichen Gemeinde etwas gibt, was sie sonst vergeblich suchen würden: nämlich Vergebung und Gemeinschaft mit Gott, geistliche Wiedergeburt und ewiges Leben! 4. Ganz nebenbei würde ein solches inhaltliche Umdenken auch den akuten Pfarrermangel abmildern, weil wir dann nicht mehr aus ideologischen Gründen Absolventen von Theologischen Hochschulen wie Gießen oder Liebenzell vom Vikariat ausschließen müssten. (Die staatliche Anerkennung garantiert die Qualität der Ausbildung dort. Außerdem ist das Pfarramt ja bereits für Pfarrpersonen anderer Profession geöffnet worden - warum nicht für Personen mit dem Abschluss „Master of Di vinity“?)
Fazit: Wir müssen sparen und scharf kalkulieren! - Wer aber die Gefühle der Gemeindeglieder und Gottes Segen nicht in die Berechnungen für den Umbau unserer Landeskirche mit einbezieht, macht eine Milchmädchenrechnung!
Nicht Heer oder Kraft werden unsere Kirche retten, auch nicht Betriebswirtschaft und Soziologie, sondern die Verheißung liegt auf gläubigem Vertrauen auf einen mächtigen Gott: So spricht der Herr: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der Herr. (Jer. 9, 22f)
Hartmut Hopp, Pfarrer in Zellertal